Widmung des Horst-Siegel-Platzes gestoppt

Stadt prüft Stasi-Vorwürfe

Der Platz vor dem PEP-Center sollte zum Stadtteilgeburtstag am 1. Juni nach dem Stadtplaner und Architekten Horst Siegel benannt werden. Seine Leistungen für die Stadt Leipzig halten wir für würdigungswert. Grünau trägt seine Handschrift. Unser SPD-Ortsverein Leipzig-West hatte daher vor einem Jahr einen entsprechenden Antrag in den Stadtbezirksbeirat eingebracht. Diesem folgte der Leipziger Stadtrat einstimmig.

Trotz damaliger Sichtung öffentlich zugänglicher Quellen durch uns und durch die Stadt sind nun wenige Wochen vor der Widmung Hinweise des US-Historikers Andrew Demshuk bekannt geworden, dass Horst Siegel von der Stasi angesprochen wurde und dieser Informationen über Mitarbeitende dem MfS zugearbeitet haben soll. Die Stadt prüft und bewertet nun die Schwere der Hinweise und wird wissenschaftlichen Beirat hinzuziehen. Die geplante Benennung des Platzes wurde gestoppt. Das halten wir für richtig.

Die Aktivitäten des MfS haben viel Leid über Bürgerinnen und Bürger der DDR gebracht. Nicht wenigen wurde mit Karrierebrüchen, Haft oder Ausweisung gedroht oder diese gar vollzogen. Die Staatssicherheit war allgegenwärtig. Sich dieser zu entziehen war kaum möglich, wenn man seinen Leidenschaften nachgehen und auch Verantwortung übernehmen wollte. Zuarbeiten für das MfS stehen nun seinem Wirken als Stadtplaner und Architekt gegenüber. Was wiegt schwerer?

Wir nehmen die vorgebrachten Informationen zur Biografie von Horst Siegel ernst. Wir halten inne und geben der Stadt und der Expertenkommission die Zeit, um sein Wirken neu zu bewerten.

Grünau bekommt Horst-Siegel-Platz

Stadtrat ebnet Weg für Namensgebung

Der Leipziger Stadtrat hat in seiner heutigen Ratsversammlung den Beschluss gefasst, im Juni nächsten Jahres im Rahmen des 50. Stadtteilgeburtstags von Grünau den namenlosen Platz vor dem PEP-Center dem Architekten Horst Siegel zu widmen. Die StadträtInnen folgten damit einem Antrag des Stadtbezirksbeirats West, den dieser in seiner Versammlung am 2. Juni dieses Jahres auf den Weg brachte.

Horst Siegel wurde am 4. Mai 1934 in Lampersdorf/Lampertice, ehem. Tschechoslowakei (heute Tschechien), geboren und war als Architekt, Stadtplaner und Hochschullehrer tätig. In den Jahren 1967 bis 1985 war er Chefarchitekt der Stadt Leipzig und Leiter des von ihm gegründeten städtischen Planungs- und Architekturbüros. In dieser Zeit war er für den Generalbebauungsplan der Stadt Leipzig verantwortlich und u. a. am neuen Gewandhaus, ehemaligen Universitäts­hochhaus, Wintergartenhochhaus, neuen Stadtteil Grünau und Wohngebiet Paunsdorf beteiligt. Horst Siegel verstarb am 17.09.2020 in Weimar.

Der Quartiersplatz am PEP-Center, der heute Teil der Stuttgarter Allee und eine belebte Fußgängerzone ist, soll im Rahmen des Stadtplatzprogramms 2030+ im zweiten Maßnahmenpaket neu gestaltet werden.

Ariane Zimmer, Stadtbezirksbeirätin für die SPD in Grünau: „Ich freue mich, dass der Stadtrat dem Anliegen des Stadtbezirksbeirats West gefolgt ist, und Horst Siegel für sein Wirken in Leipzig auf diese Weise posthum Anerkennung in Grünau gezollt wird.“ Zimmer hatte die Idee der Grünauer SPD in den SBB West eingebracht. „Trotz mancher Herausforderungen in unserem Stadtteil fühlen sich viele Anwohnerinnen und Anwohner ihrem Grünau verbunden, schätzen das Grün und die gute Infrastruktur zwischen Kulkwitzer See und Robert-Koch-Park. All das entstand durch die Planungen von Horst Siegel und seinem Team.“ Ariane Zimmer abschließend: „Der 50. Stadtteilgeburstag im Sommer 2026 ist ein würdiger Anlass, dem noch namenlosen Platz im Herzen von Grünau einen ansprechenden und identitätsstiftenden Namen zu geben.“

Der namenlose Platz vor dem PEP-Center wird 2026 dem Stadtplaner und Architekten Horst Siegel gewidmet.